Als Graciela Bazán 2015 mit weltwärts nach Deutschland kam, wusste sie: Dieses Jahr wird etwas verändern – aber wie tief es ihr Leben prägen würde, ahnte sie damals nicht.
In Konstanz arbeitete sie in einem Kindergarten, startete das „Proyecto Perú“ und brachte damit Kindern spielerisch Sprache, Tanz und Kultur näher. Für sie war es mehr als ein Freiwilligendienst: Es war ein lebendiger Austausch, der zeigte, wie neugierige Kinder Brücken zwischen Welten schlagen können.
„Ich wollte zeigen, dass Freiwilligenarbeit keine Freizeitbeschäftigung ist – sie ist eine Kraft für Veränderung.“
Rückkehr mit Vision – die Gründung von Yanapachikun Immer
Nach ihrer Rückkehr nach Peru erlebte Graciela, was viele ehemalige Freiwillige kennen: den umgekehrten Kulturschock. Sie hatte sich verändert – die Gesellschaft um sie herum kaum. Sie wollte ihr neues Wissen nicht verpuffen lassen. Gemeinsam mit sieben anderen weltwärts Rückkehrer*innen und länger zurückgekehrten weltwärts Ehemaligen gründete sie den Verein „Yanapachikun Immer“ – ein Name, der Quechua und Deutsch verbindet.
Yanapachikun bedeutet „Freiwillige“ auf Quechua, Immer steht für „immer“.
Also: „Für immer Freiwillige.“
Lernen, wachsen, weitermachen – trotz Herausforderungen
Nicht alles lief leicht: Die Rückkehrer*innen mussten ihr ehrenamtliches Engagement im Verein mit der Sicherung des eigenen Lebensunterhalts vereinbaren. Doch die Motivation blieb – und wuchs sogar in einer herausfordernden Zeit. Gerade während der Pandemie entstand neue Dynamik: Digitale Formate ermöglichten es, trotz großer Distanzen Freiwillige aus Peru und Deutschland miteinander zu verbinden. In gemeinsamen Aktivitäten, Begegnungsformaten und Aktionen über das Jahr hinweg entstanden neue Räume des Austauschs und der Aktivierung.
Die zunehmende Virtualität erwies sich dabei als wichtige Stärke – besonders in einem so großen und vielfältigen Land wie Peru. Gleichzeitig gelang es Yanapachikun Immer, Spenden für isolierte Gemeinden im Amazonasgebiet zu sammeln, die während der Pandemie in extremer Not waren. Darüber hinaus entwickelte sich ein landesweit rotierendes Programm, das nach und nach alle Regionen Perus einbezog und so kontinuierlich neue lokale Kontexte, Perspektiven und Initiativen stärkte.
Was als lokaler/ nationaler Verein begann, wuchs zu einer anerkannten weltwärts Entsendeorganisation heran. Mit Unterstützung aus Freiburg organisierte Yanapachikun außerdem große Jugendtreffen, Freiwilligenseminare und soziale Projekte in ganz Peru – auch in ländlichen Regionen. „Wir wollten zeigen, dass Engagement kein Hauptstadt-Privileg ist“, sagt Graciela.
Vom Freiwilligendienst zur Friedensarbeit
Auch für Gracielas persönliche und berufliche Weiterentwicklung war der Freiwilligendienst ein gutes Fundament: Sie arbeitete in Mexiko, Costa Rica und Kolumbien im Bereich Migration, Menschenrechte und humanitäre Hilfe – unter anderem für die UNO und die Internationale Organisation für Migration. Besonders geprägt hat sie ihre Arbeit an der Grenze von Mexiko zu Guatemala: „Dort sah ich, was Flucht und Hoffnung wirklich bedeuten – und dass mein Engagement mehr sein muss als Worte.“
Heute verbindet sie ihre praktische Erfahrung mit Forschung und Bildung: Ihr Master in Friedenskultur und Menschenrechten und ihre Arbeit zu Themen wie Interkulturalität, Antidiskriminierung und friedliches Zusammenleben knüpfen direkt an ihr Engagement bei Yanapachikun an.
Netzwerke des Südens – Gracielas Traum
Graciela träumt von einer „Süd-Süd-Community“, die ehemalige Freiwillige aus Lateinamerika und anderen Ländern des Globalen Südens miteinander verbindet.
„Schon innerhalb Perus ist der Community Aufbau herausfordernd -“, sagt sie lachend, „aber über Grenzen hinweg – das ist die nächste Stufe.“
Bereits im Jahr 2019 nahm sie als Trainerin beim Ventao-Workshop in Südamerika teil – ein inspirierendes Wiedersehen mit anderen ehemaligen Freiwilligen, bei dem die Idee regionaler Vernetzung neue Impulse bekam.
Heute ist Graciela als Global Ambassador für die weltwärts Community in Peru unterwegs und kommt ihrem Traum so aktiv ein Stück näher. Sie ist offizielle Ansprechpartnerin für zurückgekehrte Süd-Nord Freiwillige in Peru, Kolumbien und Ecuador, organisiert digitale Community Care Sessions für die Region, lokale Treffen vor Ort und bietet Orientierung, Austausch und Vernetzung für Ehemalige.
Ein Herz für Veränderung
Für die Zukunft wünscht sich Graciela, dass Yanapachikun sich weiter konsolidiert und jungen Menschen Räume bietet, sich zu entfalten – als „Agent*innen des Wandels“, wie sie sagt.
Ihre Botschaft an alle, die über einen Freiwilligendienst nachdenken: „Verpasst diese Chance nicht! Geht mit offenem Herzen, bereit zu lernen – und zu verlernen.“
Denn der eigentliche Lernprozess beginne erst nach der Rückkehr: wenn man das Erlebte in sein Leben, Denken und Handeln integriert. „Wir alle haben ein Herz der Freiwilligkeit – weltwärts hat mir geholfen, es zu schleifen und zum Blühen zu bringen.“