Vor zehn Jahren hat Josi weltwärts gemacht. Heute arbeitet sie bei Brückenwind - und schaut zusammen mit ihren Kolleg*innen aus dem Verein kritisch auf Freiwilligendienste und ehrenamtliche Tätigkeiten in der Entwicklungszusammenarbeit oder mit Geflüchteten. In ihrem Podcast “Change of Perspectives” machen sie auf die Machtdynamiken und Ungleichheiten aufmerksam, die in dieser Arbeit bestehen. Ihr weltwärts Freiwilligendienst hat dabei sicherlich dazu beigetragen, dass sie heute diese Kritik übt.
Der Podcast versucht, von der einseitigen europäischen Perspektive wegzukommen und denjenigen zuzuhören, deren Stimmen oft überhört oder zum Schweigen gebracht werden. In zwei Staffeln und insgesamt 14 Episoden beleuchtet der Podcast Machtverhältnisse in internationalen Kontexten, wie beispielsweise postkoloniale Kontinuitäten, White Saviourism und Paternalismus. Außerdem zeigt er Alternativen auf, wie wir in unserer politischen Arbeit solidarisch handeln können.
Wie kann gesellschaftliches Engagement über Wohltätigkeit hinausgehen? Welche Narrative prägen unser Verständnis von Widerstand und Verantwortung? Wessen Stimmen stehen im Mittelpunkt – und welche werden ausgeblendet?
Die Expert*innen, die ihre Erfahrungen teilen, sind nicht einfach nur Interviewgäste – sie gestalten den Prozess aktiv mit. Sie entscheiden, welche Geschichten erzählt werden, was wichtig ist und wie sie gehört werden möchten. Dadurch entstehen ehrliche und persönliche Gespräche, bei denen jede*r Sprecher*in eine bestimmte Perspektive auf einen bestimmten Kontext mitbringt - und Zuhörer*innen Denkanstöße für ihr eigenes Engagement bekommen können.
So stehen die Menschen selbst sowie ihre Erinnerungen, Zweifel, Hoffnungen und Perspektiven im Mittelpunkt des Podcasts. Auf diese Weise werden komplexe gesellschaftliche und politische Themen nicht nur verständlich, sondern auch spürbar.
Mahasin Dahab, Mitbegründerin der feministischen Bewegung Midanik, eröffnet die zweite Staffel damit, wie der Kolonialismus den Sudan noch heute prägt und berichtet aus eigener Erfahrung, wie selbstorganisierter revolutionäre Bewegungen, insbesondere feministischer Widerstand, aussieht.
Wenn Najla Mohamed-Lamin, sahrauische Menschenrechtsaktivistin, in der letzten Folge über radikalen Mut und Verantwortung im Alltag spricht, fühlt sich Josi auf jeden Fall aufgefordert, sich mehr zu engagieren - und sei es auch nur im Kleinen. Dabei ist Josi in einer Folge auch selbst zu hören, in der sie von ihrem Reflexionsprozess in ihrem Engagement erzählt.
“Change of Perspectives” lädt dazu ein, dominante Erzählungen zu hinterfragen, die eigene Position in gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu reflektieren und Schritte von Bewusstsein zur Handlung zu wagen - einen Weg, den Josi gerne gemeinsam mit anderen ehemaligen weltwärts Freiwilligen geht.
Zeit zuzuhören, zu lernen und Solidarität neu zu denken.