Neun Songs und eine Bandtour für die Einsatzstelle in Kolumbien
Normalerweise findet ein Freiwilligendienst weit weg von zu Hause statt. Doch Niko landete mitten in seinem Freiwilligendienst plötzlich im Scheinwerferlicht deutscher Konzertbühnen. Mit seinen kolumbianischer Band „Candela Mestiza“ tourte er vier Wochen lang durch 17 Städte, spielte 23 Konzerte und sammelte so über 27.000 Euro für seine Einsatzstelle, die „CES Waldorf“. Dieser erfolgreiche Rollenwechsel war kein Zufall, sondern der Startpunkt für ein langfristiges Engagement: Schon in diesem September geht das Projekt mit Workshops an Schulen und anderen Einrichtungen in die nächste Runde.
Ein vielseitiger Einsatz in Bogotá
Nach dem Abitur verschlug es Niko für einen weltwärts-Freiwilligendienst nach Bogotá zur Corporación Educativa y Social Waldorf (CES) – einer sozialen Einrichtung in einem von Armut geprägten Stadtteil. Das Angebot dort ist breit: Hausaufgabenhilfe, Kurse für Kinder und Jugendliche sowie Sozialarbeit für die gesamte Community. Niko arbeitete mit Jugendlichen und übernahm Büroaufgaben. Im Alltag lernte er bei seiner Gastfamilie Spanisch.
Niko realisierte schnell, dass die Finanzierung der CES Waldorf fast ausschließlich an deutschen Spenden hing - und dass die Mittel oft nicht reichen. Sein Impuls war so einfach wie direkt: Warum das Potenzial vor Ort nicht nutzen? „Ich habe gesagt: Ihr habt doch Musik und Theater – lasst uns damit nach Deutschland gehen und selbst die Spenden sammeln, die wir brauchen.“ Die Frage war nur noch, wie.
Musik als Brücke
Die entscheidende Idee entstand im Gespräch mit seinem Gastvater Jonathan, studierter Musiker. Aus einem Abendessen wurde ein Plan, der Niko nicht mehr losließ. Der Plan, eine Band zu gründen und mit kolumbianischer Musik auf Tournee durch Europa zu gehen, um die Finanzierung der Einsatzstelle selbst in die Hand zu nehmen. Trotz vieler Zweifler, die das Projekt für zu groß hielten, blieb er hartnäckig: „Ich habe mich da ziemlich reingesteigert.“
Gemeinsam mit Jonathan und einem Lehrer der Einsatzstelle gründete er die Band „Candela Mestiza“.Gastvater Jonathan schrieb neun eigene Songs für die Bank – ein Mix aus Cumbia und Salsa, ergänzt um Einflüsse aus Jazz und Funk. Niko selbst saß am Piano: „Ehrlich gesagt hatte ich von kolumbianischer Musik anfangs keine Ahnung und musste unglaublich viel lernen.“ Parallel organisierte er vom Schreibtisch in Bogotá aus die gesamte Logistik: Er kontaktierte Schulen, plante die Tournee und sammelte Geld für die Flüge.
23 Konzerte in vier Wochen
Wenige Monate später startete die Tour – noch während Nikos Freiwilligendienst. Im VW-Bus von Nikos Eltern legte die Band über 7.000 Kilometer durch Deutschland und die Nachbarländer zurück. Der Start in Salzburg verlief holprig: Da zum ersten Auftritt niemand kam, holte die Band ihr Publikum kurzerhand aus einer Chorprobe im Nachbargebäude ab.
Es folgte ein Marathon aus 23 Konzerten in 17 Städten - an Schulen, in der Fußgängerzone, in Bars, draußen. Insbesondere an den Schulen griffen Musik und Vortrag ineinander. Niko berichtete zwischen den Songs von der Arbeit der CES und seinem Freiwilligendienst. Und seine Begeisterung war ansteckend: „Macht es unbedingt! Es ist eine so wertvolle Erfahrung, kein Stück verlorene Zeit!“ Am Ende der Tour kamen 27.000 Euro an Spenden zusammen.
Gemeinsames Projekt und Blick nach vorn
Niko betont, dass dieser Erfolg nur im Team möglich war. Er reaktivierte die Initiative Casa de Colores, ein Kernteam aus ehemaligen weltwärts Freiwilligen, der zwischenzeitlich eingeschlafen war. Niko brachte die engagierten Rückkehrer der letzten Jahre wieder an einen Tisch, um das Projekt gemeinsam zu unterstützen.
Heute studiert Niko Bio- und Umweltverfahrenstechnik. Auch wenn er sein Studium bewusst von seinem sozialen Engagement trennt, bleibt die Verbindung nach Kolumbien ein fester Teil seines Lebens. Erst im Januar reiste er erneut nach Bogotá, um die Weichen für ein neues Projekt zu stellen: Gemeinsam mit seinem ehemaligen Gastvater und Musiklehrer Jonathan plant er für diesen September eine neue Workshop-Tour durch Deutschland. Diesmal liegt der Fokus auf dem interaktiven Erleben: In Schulen oder im Rahmen von Teambuilding-Maßnahmen werden lateinamerikanische Rhythmen gemeinsam erarbeitet und durch Vorträge über die Arbeit der Einsatzstelle in Bogotá ergänzt. Alle Spendeneinnahmen für Workshop und Vortrag fließen zu 100 % an die CES Waldorf. Wer Interesse hat, einen solchen Workshop in seine Einrichtung oder sein Team zu holen, kann sich für weitere Infos bei der weltwärts Community oder über Instagram direkt bei Niko melden (s. Links unten).
Was bleibt, ist die Erfahrung, dass aus einer „unrealistischen“ Idee etwas Konkretes entstehen kann – eine Band, eine Tour und eine Brücke zwischen Bogotá und Deutschland.